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Empathisch zuhören: Helped, Heard or Hugged?

Wir wollen oft sofort helfen, wenn unsere liebsten Menschen uns von Sorgen oder Problemen erzählen. Doch manchmal führen unsere gut gemeinten Lösungsvorschläge nicht zu Erleichterung – sondern zu Frust. Warum ist das so? Und wie können wir stattdessen empathisch zuhören, um wirklich unterstützend da zu sein?

Im Blog zeigen wir, wie die einfache Frage „Do you want to helped, hear or hugged?“ Beziehungen entlasten, Nähe schaffen und echte Empathie und Unterstützung ermöglichen kann.

was ist denn eigentlich das problem?

Manchmal vergessen wir in der Begegnung mit Konflikte oder starken Emotionen anderer, dass wir nicht alle gleich sind. Wir haben Ideen, was jetzt gerade genau das Richtige für uns wäre und gehen dann davon aus, dass das für die andere Person genauso gilt. Manchmal geraten wir aber auch einfach selbst in eine schwierige Situation: Große Gefühle bei anderen können große Überforderung bei uns auslösen.

Dann kommt es häufig dazu, dass wir nicht mehr empathisch zuhören und unserem Gegenüber nicht das anbieten, was die Person gerade braucht und schwupps, landen wir selbst in einem handfesten Streit miteinander, bei dem wir gar nicht so ganz genau wissen, wie wir reingerutscht sind. Vielleicht wollte die Person von ihrem Frust erzählen und noch gar nicht über Lösungsansätze nachdenken. Oder ihr hätte eine Umarmung gut getan anstatt sich immer weiter in Rage zu reden.

Wenn wir etwas anbieten, dass die andere Person gerade nicht braucht, kann das zu Frustration führen, zu Wut, aber auch zu Traurigkeit, wenn bspw. Emotionen nicht den Raum finden, den sie gerade benötigen.

ein angebot machen: helped, heard or hugged?

1) helped.

Manchmal sind Lösungsideen auch genau das richtige. Und zwar, wenn sich die andere Person genau diese wünscht.

Hier kannst du unterstützen, indem du…

… als unbeteiligte Person Klarheit hast.
… Ideen anbietest.
… Erfahrungen teilst.
… praktische Unterstützung anbietest.

Wichtig: Angebote statt Bevormundung!

2) heard.

Manchmal braucht es einfach nur ein offenes Ohr und damit einen Ort, wo man mit seinen Emotionen einfach sein kann.

Hier kannst du unterstützen, indem du…

… aktiv zuhörst.
… offen und neugierig bist.
… nachfragend Gedankenchaos ordnest.
… mit Emotionen mitschwingst.

Wichtig: We listen and we don’t judge!

3) hugged.

In anderen Momenten steht das Bedürfnis nach (körperlicher) Nähe, Trost und Geborgenheit im Vordergrund.

Hier kannst du unterstützen, indem du…

… die Person in den Arm nimmst.
… der Person eine Hand auf die Schulter legst.
… körperliche Nähe ohne Berührung gibst.
… mit der Person gemeinsam schweigend am Küchentisch sitzt.
… der Person einen Tee anbietest.

Wichtig: Kontext & Konsens!

Eine wertvolle Ergänzung zu unserer aktuellen Lieblingsfrage kann “Helped, heard, hugged or left alone” sein: Je nach Kontext, z.B. wenn jemand nicht aktiv das Gespräch mit euch zu einem schwierigen Thema gesucht habt, sondern ihr eher aufgrund äußerer Umstände in die Unterhaltung hineingeratet – denkbar ist da z.B. dass eure Mitbewohnerin oder euer Partner nach Hause kommt, bedrückt wirkt und ihr nachfragt, ob alles in Ordnung ist. In diesem Fall kann es hilfreich sein, die vierte Option anzubieten: Möchtest du gerade lieber alleine damit sein? Denn manchmal ist es schön, auch die Option zu haben, sich zurückzuziehen und erstmal individuell über ein Problem nachzudenken oder mit seinen eigenen Gefühlen zu sitzen.

4) left alone.

Vor allem, wenn wir auf andere zugehen, die uns bedrückt erscheinen, bietet sich diese Ergänzung an.

Hier kannst du unterstützen, indem du…

… Raum gibst.
… Rückzugsmöglichkeiten anbietest.
… ein Folgegespräch anbietest.
… Verfügbarkeit deutlich machst.

Wichtig: Raum statt Einsamkeit!

empathisch zuhören statt gespräche killen.

Es gilt: Menschen haben ganz unterschiedliche Modi mit schwierigen Situationen umzugehen, gerade deswegen ist es so wichtig, nicht von sich auf andere zu schließen. Das, was mir in einer geschilderten Situation helfen würde, ist nicht unbedingt das, was eine andere Person sich wünscht. Nachfragen und empathisch zuhören ist also in jedem Fall eine gute Idee.

Alle vorgestellten Varianten erlauben Begleitung. Sich zu erkundigen, was es gerade braucht, signalisiert Empathie, Verständnis und Verlässlichkeit. Optionen zur Verfügung zu stellen, entlastet außerdem. Gerade Menschen in Krisensituationen oder sehr emotionalen Momenten kann es überfordern, auf eine offene Frage wie “Was brauchst du gerade?” Antworten zu finden. Mit der Vorstrukturierung übernimmst du ein Stück weit Verantwortung, ermöglichst Fokussierung und kannst geben, was es gerade braucht.

nicht nur andere begleiten.

Im Übrigen lässt sich Helped, Hugged or Heard auch zur Selbstreflexion anwenden, indem ihr euch hinsichtlich einer schwierigen Situation überlegt, was davon ihr gerade gut gebrauchen könntet. Wenn ihr eine Idee habt, was euch gerade helfen würde oder was ihr gerne ausprobieren möchtet, könnt ihr im nächsten Schritt überlegen, bei welcher Person, ihr das gut bekommen könnt und mit einer konkreten Bitte auf diese Person zugehen. Wenn du möchtest, dass dir jemand einfach nur empathisch zuhört, kann das zum Beispiel so aussehen: “Hey, sag mal, hast du kurz einen Moment? Ich habe mich heute auf der Arbeit total über eine Situation geärgert und merke, dass ich immer noch richtig genervt bin. Kann ich dir davon erzählen und du hörst mir einfach zu oder regst dich mit mir auf?”

Helped, Heard, Hugged or Left Alone ist ein hilfreiches Tool in der zugewandten Kommunikation – ob mit anderen oder gegenüber euch selbst in der Reflexion über ein schwieriges Gespräch, einen Konflikt oder eine emotional aufwühlende Situation. Empathisch zuhören mit einer kleinen, aber unheimlich wirkungsvollen Frage. Probiert es doch mal aus!